Trink viel Milch, damit du kräftige Knochen bekommst. Müde Männer soll sie munter machen und für die Extra Portion Milch gibt es noch Schokolade. Die Milch macht´s. Das war Werbung der 50er, 60er und 70er Jahre, die heute noch ihre Wirkung tut. Diverse Studien untermauern schon lange, dass die Milch kritisch zu sehen ist und ihr Konsum im Zusammenhang mit unterschiedlichen Erkrankungen stehen kann. Man darf sich also fragen: Macht es die Milch wirklich?

Kräftige Knochen brauchen Calcium, doch brauchen sie auch die Vitamine D und K sowie Magnesium, Kalium, Phosphor, Bor, Zink, Kupfer, Mangan und Silicium, die die Milch nicht liefert und die Knochendichte nicht positiv beeinflusst. Gerade Frauen leiden mit steigendem Alter häufig an Osteoporose, obwohl sie in ihrem Leben viel Milch konsumiert haben.

Milch ist ein schon lange bekanntes Nahrungsmittelallergen. Unterschiedliche allergische Reaktionen, Hautprobleme jeder Art, Verschleimung der Atemwege und Anfälligkeit für Atemwegsinfektionen können Folge von Milchkonsum sein. Die im Milchzucker enthaltene Galactose gilt als entzündungsfördernd. Entzündungsprozesse im Körper sind die Grundlage vieler Erkrankungen. Darmerkrankungen, chronische Durchfälle oder ein Reizdarm werden ebenfalls in Zusammenhang mit Milch gebracht.

Viele Menschen haben eine Lactose-Intoleranz, greifen dann zu lactosefreien Milchprodukten. Es ist aber oft nicht so bekannt, dass es neben der Lactose-Intoleranz (Verwertungsstörung des Milchzuckers) auch die Casein-Intoleranz (Unverträglichkeit gegen das Milcheiweiß) gibt. Blähungen, Bauchkrämpfe, Durchfälle, Übelkeit, Erbrechen, Kopfschmerzen und Müdigkeit können auch hier klassische Symptome sein nebst Schleimbildung und Kratzen im Rachen nach dem Verzehr von Milch und Milchprodukten. Bei einer Casein-Intoleranz gibt es keine andere Möglichkeit als vollständig auf tierische Milchprodukte zu verzichten.

Macht es die Milch wirklich? Lactose-Intoleranz als natürlicher Zustand?

In erster Linie ist Kuhmilch Muttermilch, die dazu dient ein Kalb optimal zu versorgen und sein Wachstum zu fördern. Milch soll Neugeborene solange nähren, bis sich der Organismus so weit entwickelt hat, dass er feste Nahrung verdauen kann. Dabei bildet jedes Säugetier eine ganz eigene artspezifische Milch. Sie ist also eine Säuglingsnahrung. Kuhmilch enthält viel mehr Eiweiß als menschliche Muttermilch, viel weniger Kohlenhydrate und hat außerdem ein ganz anderes Mineralstoff- und Vitaminprofil. Auch die Antikörper in der Kuhmilch unterscheiden sich von denen der menschlichen Muttermilch. Wachstumshormone in der Kuhmilch sind für den Menschen ungeeignet.

Säuglinge haben bis zum dritten Lebensjahr die Fähigkeit, die Lactose in der Muttermilch zu verdauen. Ab dem dritten Lebensjahr bildet sich diese Fähigkeit natürlicherweise zurück, weil es in der Regel das Alter ist, in dem spätestens abgestillt wird und Muttermilch durch Breikost bzw. feste Nahrung ersetzt wird. Viele Menschen haben allerdings diese Fähigkeit im Laufe der Evolution beibehalten – ihr Körper hat sich praktisch angepasst – besonders da, wo Menschen in Regionen leben, in denen seit jeher viel Milch und Milchprodukte zur täglichen Nahrung gehören.

Bei einer Lactose-Intoleranz ist bei Fertigprodukten Vorsicht geboten. Milchzucker wird gerne als Zusatzstoff verwendet und ist beispielsweise in Brot, Wurst, aber auch in Süßigkeiten, Kuchen und Gebäck enthalten. Vorsichtig sollte man auch bei Restaurantbesuchen und dem Verzehr von Fast-Food sein, da man nicht weiß, welche Inhaltsstoffe in den Speisen enthalten sind. Sahne und Butter haben nur noch Spuren von Laktose und können von vielen Laktose-Intoleranten vertragen werden. Hier ist die Verträglichkeit allerdings ganz individuell und muss ausgetestet werden.

Macht es die Milch wirklich? Warum Milch Akne fördert.

Milch bzw. Molkeproteine führen trotz niedriger glykämischer Last zu einem Anstieg des Insulinspiegels. Ein hoher Insulinspiegel kann Entzündungsprozesse fördern, was bei Akne gegeben ist. Die Talgproduktion wird durch eine gesteigerte Androgenproduktion erhöht, was die Entstehung von Akne begünstigt. Davon sind nicht nur Teenager in ihrer Pubertät betroffen, sondern oft auch Erwachsene, die sich die Akne-Bildung in höherem Alter meistens nicht erklären können.

Macht es die Milch wirklich? Wie die Milch den Hormonhaushalt und das Zellwachstum beeinflusst.

Kuhmilch, die von trächtigen Kühen gewonnen wird, bekommt bis zur Geburt des Kalbes eine stetig wachsende Konzentration an Hormonen. Werden nun regelmäßig Milch und Produkte daraus verzehrt, hat dies Auswirkungen auf den körpereigenen Hormonhaushalt. Der hohe Östrogengehalt in der Kuhmilch steht inzwischen auch wissenschaftlich im Verdacht, hormonbedingte Krebserkrankungen beim Menschen auslösen zu können. Ebenso kritisch werden die Wachstumsfaktoren gesehen, die für ein heranwachsendes Kalb wichtig sind, für einen Menschen, besonders wenn er längst erwachsen bzw. ausgewachsen ist, gar nicht mehr benötigt werden. Diese Wachstumsfaktoren fördern das Zellwachstum dennoch, was die Entstehung von Tumoren begünstigen kann.

Macht es die Milch wirklich? Warum Milch die Darmflora belastet.

Wenn sich erst spät im Laufe des Lebens eine Lactose-Intoleranz entwickelt, wird in der Regel empfohlen, lactosefreie Produkte zu verzehren und ggf. Lactase-Tabletten einzunehmen, um die Lactose verstoffwechseln zu können und unangenehme Reaktionen zu vermeiden. Viele Menschen reagieren beim Verzehr von Milch mit Bauchschmerzen, Durchfall und Blähungen, einer schlagartigen Müdigkeit und Erschöpfung u.a.

Eine insgesamt ungünstige Ernährungsweise, die reich an isolierten Kohlenhydraten und tierischen Eiweißen ist, fördert schleichend eine chronische Übersäuerung des Organismus, was in der Naturheilkunde die Ursache vieler Zivilisationskrankheiten darstellt. Über viele Jahre und Jahrzehnte wirkt sich eine ungünstige Ernährungsweise besonders negativ auf die Darmflora aus. Durch ein schlechtes Milieu siedeln sich im Verdauungstrakt verstärkt Fäulnisbakterien und Pilze an. Eine gestörte Darmflora (Dysbiose) gilt als Hauptursache von Nahrungsmittel-Intoleranzen, wenn sie im fortgeschritten Alter „erworben“ werden. Gewisse Nahrungsbestandteile können nicht mehr richtig verstoffwechselt werden, so dass unverdaute Proteinpartikel in die Blutbahn gelangen. Diese Partikel irritieren das Immunsystem und führen im Körper zu einer Abwehrreaktion, die sich in Form einer allergischen Reaktion äußert. Da der größte Teil des Immunsystems im Darm angesiedelt ist, kann eine Dysbiose die gesundheitliche Verfassung des Menschen stark beeinträchtigen, so dass weitere Beschwerden und Erkrankungen die Folge sein können.

Die Darmflora heilen

Im Fall einer Dysbiose sollte die Regeneration der Darmflora absolute Priorität haben. Probiotische Joghurts sind dafür allerdings ungeeignet. Für eine umfassende Darmsanierung sollten langfristig hochwertige Probiotika eingenommen werden. Gerstengrassaft kann durch seine wertvollen Inhaltsstoffe und Ballaststoffe die Darmflora ebenfalls bei der Regeneration unterstützen. Heilerde hat die Eigenschaft, die durch schädliche Darmbakterien entstandenen Toxine und Gase zu binden, so dass sie ausgeschieden werden können.

Eine veränderte Ernährungsweise hin zu einer basenüberschüssigen Ernährung ist Grundvoraussetzung für eine Milieuveränderung und einen gesunden Darm. Sie unterstützt sanft die Entsäuerung des Körpers und entzieht Fäulnisbakterien und Pilzen die Lebensgrundlage. Die Bedingungen für die guten und nützlichen Bakterien verbessern sich, so dass sie sich wieder verstärkt ansiedeln und vermehren können.

Milchfrei für den Rest des Lebens?

Allergische Reaktionen und Symptome bilden sich in der Regel innerhalb kurzer Zeit wieder zurück, wenn der Milchverzehr eingestellt wird. Man darf sich jedoch grundsätzlich fragen, ob sich ein Mensch überhaupt wieder an Milch als Säuglingsnahrung gewöhnen sollte, wenn sie nach einer Ernährungsumstellung, der Regeneration der Darmflora und einer insgesamt positiven Milieuveränderung ggf. wieder vertragen werden würde.

Es ist verständlich, dass Milch und Milchprodukte für viele Menschen ein lang gewohnter und beliebter Bestandteil ihrer Ernährung ist, sie nicht nur als Calcium- sondern auch als Eiweißquelle genutzt werden. Ein leckerer Cappuccino, Latte Macchiato, ein leckeres Eis, das morgendliche Müsli mit frischer Milch oder Joghurt, eine cremige Sahnesoße, der Käse auf Brot und Pizza gehören zu den täglichen Gaumenfreuden vieler Menschen. Gerade am Anfang besteht eine große Unsicherheit, weil es gefühlt keine Alternativen gibt. Das ist ganz normal, aber die Kreativität entwickelt sich beim Tun. Anfangs ist auch der Geschmack pflanzlicher Alternativen etwas fremd. Die Geschmacksknospen gewöhnen sich allerdings recht schnell daran. Für die Gesundheit ist es in jedem Fall ein Gewinn. Einerseits werden gesundheitsbedenkliche Faktoren der Milch vermieden und andererseits die gesundheitsfördernden Inhaltsstoffe der pflanzlichen Alternativen genutzt. Milch- und Milchprodukte sollten im besten Fall weggelassen oder nur selten, in Ausnahmen verspeist werden.

Zur Deckung des Calcium- und Proteinbedarfs gibt es eine Menge hochwertiger pflanzlicher Quellen wie beispielsweise Hülsenfrüchte, Vollkornprodukte, Gemüse, Obst Nüsse, Mandeln, Ölsaaten. Mandeln, Cashewkerne, Nüsse, Kokos, Esskastanien und Ölsaaten. Diese können als Drink, Käse- und Joghurt-Ersatz eine leckere Alternative sein. Es gibt außerdem vielfältige Mus- und Cuisine-Variationen, die in der kalten und warmen Küche eingesetzt werden können. Soßen, Dressings, Müsli, Shakes, Breie, Desserts können mit den pflanzlichen Alternativen zubereitet werden.